Montag, 16. April 2012

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Seminar bei Risthaus.
Ein Raum voller Erstsemester.
Ich sehe sie nicht an, ich blicke nur nach vorn. Dann sehe ich mich doch um, ein einziges Mal, nur um sicherzugehen. Ich zucke zusammen. Eine Leere. ich bin allein, ich dachte es mir. Dumme, leere Gesichter. Ich will sie nicht sehen.

Ich lausche unweigerlich dem Vortrag des Dozenten. Er wirkt sympathisch. Dennoch:

Er labert nur scheiße. Ganz einfach.
Er schwadroniert über die Germanstik als Wissenschaft. Worum es vermeintlich gehe. Kein Wort davon, dass der Dichter, der Schriftsteller die Grundlage seiner Teildisziplin, der NDL, darstellt und dass ihm alle Ehre gebührt. Nein, der Wissenschaftler wird in den Vordergrund gestellt. Die Relevanz, vor allem die Notwendigkeit eines Literaturwissenschaftlers wird nicht geklärt, die eigentlich drängende Frage. Das verhältnis zwischen Wissenschaftler und Urheber. nicht erwähnt.

Es wird über wahr und falsch, über schön und hässlich gesprochen. Er verkündet Wahrheiten. Wir sollen hinterfragen. Doch wer es wirklich tut, macht sich unbeliebt.

Anglizismen werden erwähnt. Er macht sich über die Französischen Sprachbehörde lustig, meint solche Bestreben seien sinnlos und dumm. Untergräbt er damit nicht die Grundlage seiner eigenen Wissenschaft? Warum nicht gleich Anglistik studieren, wenn wir bereits jetzt mit dem Ausblick konfrontiert werden, dass das Deutsche eine aussterbende Sprache sei. Galgenhumor? Wie ist diese Haltung zu verstehen?

Er schwafelt unentwegt. Über den Unterschied zwischen Schule und Studium. Ein Wunschdenken. Nichts als Illusion. Lächerlich. Dieser Unterschied existiert längst nicht mehr.

Das Ideal eines Seminars. Das Konzept eines Seminars ist theorethisch gut, aber praktisch nicht umsetzbar.

Die Frage: Warum unterrichtet er nicht? Warum müssen wir uns seine unvollkommenen Meinungen anhören?

Wenn man ihm so zuhört bekommt man den Eindruck, Germanistik sei das sinnloseste Fach was man sich vorstellen kann. Traurig, dass ausgerechnet ein überzeugter Germanist diesen Eindruck vermittelt.

Er meint Literaturwissenschaftler seien Vermittler. Ihre Aufgabe sei es, Literatur zu vermitteln, dh ihren Wert zu erkennen, sie zu bewerten, und anderen nahe zu bringen. Ich denke man sollte die Werke besser für sich selbst sprechen lassen. Der Literat kann nicht mehr wissen als irgendjemand der sich Gedanken macht. Man liest besser alleine, ohne Hilfestellung. Man braucht keine Literaturwissenschaftler um einen text "richtig" zu verstehen, denn das tun sie ja auch nicht. Ein Affront.

Die Leute die Germanistik studieren sind überwiegend dumm. Der einzige Trost ist der Gedanke, dass die fähigen Leute sich andere Fächer ausgesucht haben, Naturwissenschaften. Wenn sie eine Leidenschaft, eine Interesse an Sprache und Literatur haben, haben sie die Germanistik gar nicht nötig.

Die Germanisten erklären sich ihre Texte gegenseitig, und zwar deshalb, weil sie die einzigen sind, die diese Texte nicht verstehen.

Die Uni ist ein ort voller Widersprüche. Traurig, wie verkommen dieser Ort geworden ist. Wie falsch und verlogen.

Jeden Tag muss ich das ertragen, und muss trotzdem weitermachen. Aus eigener Kraft die Welt erobern ist schwer.

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